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Wenn Worte nicht reichen: Wie Lego, Bilder und innere Reisen in der Therapie wirken

Manchmal reichen Worte nicht aus, um auszudrücken, was ein Mensch wirklich empfindet. Wir spüren etwas ganz deutlich – und finden trotzdem keine Sprache dafür. Genau dort beginnt oft die eigentliche therapeutische Arbeit.

Stell Dir vor, Du könntest in einer Therapiesitzung Gefühle sichtbar machen. Konflikte plötzlich auf dem Tisch liegen sehen. Veränderungen nicht nur denken, sondern erleben. Genau darum geht es bei den kreativen Methoden der integrativen Gestalttherapie.

Die Arbeit mit Objekten

Ein zentrales Werkzeug ist die Arbeit an Objekten – ein Begriff aus der Psychoanalyse. Ein Objekt kann fast alles sein: ein Buch, ein Glas Wasser, ein Stofftier, Playmobil-Figuren, Klemmbausteine, Naturmaterialien. Geben wir ihnen eine Stimme, lassen wir sie sprechen und erzählen, stellen Menschen damit ihre innere Welt nach außen dar.

Ein Beispiel: Eine Klientin sagt, sie fühle sich zwischen Familie und Beruf völlig hin- und hergerissen. Solange sie das nur erzählt, bleibt vieles abstrakt. Stellt sie aber Figuren auf den Tisch – die Familie auf der einen Seite, den Arbeitsplatz auf der anderen, sich selbst genau dazwischen –, verändert sich etwas. Plötzlich sieht sie den inneren Konflikt vor sich. Solche Momente sind oft sehr berührend.

Klemmbausteine als Zugang zum Erleben

Ein besonderes Werkzeug sind dabei Klemmbausteine – sogenannte Bricks, wie man sie etwa von Lego kennt. Der spielende Mensch, der Homo ludens, lernt und begreift anders. Mit Klemmbausteinen entstehen Modelle, Landschaften, ganze Lebenswelten. Das innere Erleben wird ins Modell transformiert: Das Problem steht plötzlich nicht mehr im Menschen, sondern vor ihm.

„Wer nach außen schaut, träumt. Wer nach innen schaut, erwacht." – Carl Gustav Jung

Genau dabei helfen kreative Methoden – nach innen zu schauen.

Kunst, ohne bewertet zu werden

Auch die Arbeit mit Kunst gehört dazu – und ausdrücklich ist damit nicht gemeint, dass Du malen können musst. Es geht nicht um schöne Bilder, denn Bewertung findet in der Therapie grundsätzlich nicht statt. Es geht darum, dem Inneren eine Form zu geben. Farben, Linien, Collagen – einfache Symbole erzählen oft mehr als lange Erklärungen.

Imaginationen: Ressourcen, die schon da sind

Ein weiterer wichtiger Baustein sind Imaginationen – angeleitete innere Bilder, die Menschen mit ihren eigenen Ressourcen in Kontakt bringen. Unser Gehirn unterscheidet erstaunlich wenig zwischen intensiv vorgestellten und tatsächlich erlebten Erfahrungen – das ist neurowissenschaftlich belegt. Deshalb können innere Bilder beruhigende Kraft schenken oder neue Perspektiven eröffnen.

Milton Erickson formulierte es so: Menschen verfügen bereits über die Ressourcen, die sie für Veränderung brauchen. Oft müssen diese Ressourcen nicht geschaffen, sondern lediglich wiedergefunden werden.

Die Methode ist nie das Ziel

So kraftvoll diese Werkzeuge sind: Sie sind Brücken, keine Selbstzwecke. Entscheidend bleibt immer die Begegnung zwischen zwei Menschen.

„Die Beziehung heilt." – Irvin Yalom

Alles andere dient letztlich dazu, diese Beziehung zu vertiefen.

Selbst erleben, bevor Du es weitergibst

In der Ausbildung lernst Du diese Methoden nicht nur theoretisch – Du erlebst sie selbst, probierst sie aus und reflektierst sie in der Gruppe. Denn nur was Du selbst erlebt hast, kannst Du später authentisch weitergeben.

Lust, das einmal live zu erleben? In unserem Workshop am 01.08 (10–13 Uhr) zeigen wir Dir ganz praktisch, wie kreative Methoden wie die Arbeit mit Playmobil-Figuren und die dialogische Stuhlarbeit funktionieren. Integrative Gestalttherapie

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Rainer M. Müller

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