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Muss ich mich in der Ausbildung wirklich öffnen? Eine ehrliche Antwort

Viele Interessentinnen und Interessenten stellen sich früher oder später dieselbe Frage, sprechen sie aber selten laut aus: Wie persönlich wird das eigentlich? Muss ich mich wirklich öffnen, ganz privat?

Wenn Menschen hören, dass eine therapeutische Ausbildung Selbsterfahrung beinhaltet, entstehen oft ganz unterschiedliche Bilder – von intensiven Gruppensitzungen bis zur Sorge, private Dinge erzählen zu müssen. Zeit, das einzuordnen.

Warum Selbsterfahrung überhaupt notwendig ist

Der naheliegende Einwand: Ich möchte doch nur lernen, andere Menschen zu begleiten – warum muss ich dafür an mir selbst arbeiten? Die Antwort: Wir begleiten andere Menschen nie nur mit unserem Wissen. Wir begleiten sie immer auch mit unserer Persönlichkeit, unseren Erfahrungen, unseren Stärken – aber eben auch mit unseren blinden Flecken.

„Bewusstheit an sich ist heilend." – Fritz Perls

Viele unserer Reaktionen laufen automatisch ab. Wir merken oft gar nicht, warum uns bestimmte Situationen besonders berühren oder warum wir auf manche Menschen stärker reagieren als auf andere.

Ein Beispiel: Ein Klient sagt „Ich habe das Gefühl, Sie verstehen mich gar nicht." Die eine Therapeutin bleibt ruhig, hört zu, fragt nach. Ein anderer fühlt sich sofort angegriffen. Der Unterschied liegt selten in der Situation selbst – sondern in eigenen Erfahrungen, die unbewusst mitwirken. Solange uns solche Muster nicht bewusst sind, beeinflussen sie unser Handeln. Erst wenn wir sie erkennen, gewinnen wir wirkliche Freiheit, bewusst zu entscheiden, wie wir reagieren möchten.

Nicht nur Schwierigkeiten – auch Stärken

Selbsterfahrung bedeutet keineswegs nur, sich mit Schwierigkeiten oder Belastungen zu beschäftigen. Viele Teilnehmende entdecken in der Ausbildung Fähigkeiten, die ihnen vorher gar nicht bewusst waren: dass sie gut zuhören können, Ruhe ausstrahlen oder intuitiv spüren, was in einer Situation gerade richtig ist.

Häufig verändert sich die anfängliche Unsicherheit im Lauf der Ausbildung – nicht, weil plötzlich alles Wissen da ist, sondern weil Teilnehmende sich selbst besser kennenlernen und dadurch mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln.

Die wichtige Abgrenzung

Und hier kommt der Punkt, der genauso wichtig ist wie die Selbsterfahrung selbst: Eine Ausbildung in integrativer Gestalttherapie ist keine Psychotherapie, keine Gruppentherapie und kein Ersatz für eine therapeutische Begleitung.

Wenn jemand unter einer psychischen Erkrankung leidet oder belastende Lebensthemen intensiv bearbeiten möchte, kann eine eigene Therapie oder Lehrtherapie sinnvoll und sogar notwendig sein. Die Ausbildung verfolgt ein anderes Ziel: Sie soll Teilnehmende befähigen, Menschen professionell zu begleiten. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich selbst besser kennenzulernen – aber sie ersetzt keine persönliche Therapie.

„Das wichtigste Werkzeug des Therapeuten ist der Therapeut selbst." – Irvin Yalom

Genau deshalb ist Selbsterfahrung so bedeutsam: Je besser wir uns selbst kennen, desto bewusster können wir anderen Menschen begegnen. Sie schafft Klarheit, sie stärkt die eigene Präsenz – sie ersetzt aber keine Therapie.

Wenn Du mehr wissen möchtest

Wenn Du Dir ein eigenes Bild davon machen möchtest, wie persönlich und wie sicher zugleich dieser Rahmen gestaltet ist, ist unser Schnupperabend am 20.07 (für 0 Euro) ein guter erster Schritt – oder der FAQ-Abend am 05.08, bei dem Du alle offenen Fragen stellen kannst. Integrative Gestalttherapie

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Rainer M. Müller

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