Mit welcher Therapiemethode ich mich beschäftige, ob ich eine Praxis eröffnen möchte und ähnliche Fragen.
Prüfling
Ich erzählte über meine Methode und weiteres.
(Ich hatte ganz den Eindruck, dass es darum geht, wen sie da aufs Volk loslassen. Es ging gar nicht so sehr darum, Fakten und alle Punkte komplett lehrbuchmäßig richtig aufzusagen, sondern darum, ob man empathisch situationsgerecht mit dem Fall umgehen kann.)
Anmerkung
Allgemeine Vorstellung
Bereite Dich gut auf diese Frage vor.
Wichtig ist Dein Auftreten, Deine praktischen Erfahrungen in Beratungen/Therapie, Praktikas, Ausbildungen/Fortbildungen etc.
Als Vorgeschichte ist alles relevant, das auf Erfahrung mit psychisch Kranken hinweist und Dein “Warum”.
Erwähne, dass Du eine Praxis eröffnen möchtest und welches Verfahren Du einsetzen bzw. mit welcher Zielgruppe Du arbeiten willst.
Zur Vorstellung gehört auch die mögliche Zielgruppe zu kennen. Wenn Du bestimmte Krankheitsbilder behandeln willst, bedenke, dass Dein Therapieverfahren dafür auch indiziert sein muss und Du die nötige Erfahrung hast, sowie das krankheitsspezifische Vorgehen kennst.
Erwähne Erfahrungen in der therapeutischen Arbeit z.B.:
Zertifikate über vorherige Ausbildungen oder auch laufende erwähnen
Erfahrungen im Bereich Beratung/Coaching und ähnlichem zeigen dem Prüfer, dass Du schon mit Menschen gearbeitet hast
Testklienten etc. von den Ausbildungsschulen
absolvierte Praktika in psychiatrischen / psychosomatischen Einrichtungen machen oft einen guten Eindruck
Bleibe authentisch, aber überlege Dir schon gut im Vorfeld, wie Du auf diese Frage antworten würdest und was Du persönlich alles vorzuweisen hast.
"Nehmen wir mal an, sie haben ihre Praxis eröffnet und ein Ehepaar kommt zu Ihnen. Der Mann ist der Wortführer. Er berichtet, dass seine Frau seit drei Monaten völlig verändert sei. Sie vernachlässigt den Haushalt, steht später auf, wälzt sich gegen 3:00 Uhr nachts im Bett herum und ist nicht mehr so fröhlich. Die Frau sitzt teilnahmslos daneben und schaut nur zu Boden. “Macht doch alles ohnehin keinen Sinn mehr" , sagt sie.”
Stellen Sie eine Verdachtsdiagnose, wie gehen Sie vor?
Prüfling
Für mich war eigentlich ziemlich gleich klar, dass es sich um eine Depression, vermutlich eine schwere Depression, handelt.
Ich habe dann das SOSP abgefragt und weiter versucht von anderen möglichen Diagnosen abzugrenzen, organisches wie Hypothyreose, Wechseljahre … Anpassungsstörung, posttraumatische Belastungsstörung, mögliche Vorstufe einer Demenz, was natürlich eigentlich eher unwahrscheinlich ist.
Irgendwie wollte ich noch was von Negativsymptomen sagen, ist mir aber entfallen …
Meine Verdachtsdiagnose habe ich durch die Haupt- und Nebensymptome aus dem Beispiel und weitere Symptome (Scham-/Schuldgefühle), die natürlich noch zu eruieren wären, weiter eingegrenzt. Also 3 + 3 bis 4 Nebensymptome.
Anmerkung
Strukturiertes Vorgehen bei Fallbeispiel:
Wenn es die Prüfer zulassen, empfiehlt es sich, bei einem Fallbeispiel 1 Minute Zeit zu erbitten, um sich einen roten Faden aufzuschreiben. (Aufgrund der kurzen Zeit möglichst nur Abkürzungen verwenden, andernfalls Struktur auswendig lernen)
Strukturiertes Vorgehen bei Fallbeispiel (allgemein):
Gegenteil (Evtl. gab es eine manische Phase in der Vergangenheit...)
und zusätzlich Merkhilfen für PPB und Anamnese
Symptome finden und in Fachbegriffe übersetzen
Differentialdiagnose: breit denken und sich nicht zu früh auf eine Diagnose festlegen (vor allem die Nachbarn in den F-Kategorien ausschließen bzw. begründen)
Verdachtsdiagnose
Therapie
Zusätzliche Tipps:
Habe eine Struktur im Kopf und gehe diese durch. Du kannst auch die Prüfer fragen, ob du z.B. genaue Fragen nach dem PPB durchgehen solltest. Wenn Dir für den Fall noch etwas fehlt, erfrage es bei den Prüfern und warum Du fragst – z.B. bei Verdacht auf Depression, die jeweiligen Elementarfunktionen abfragen.
Erzähle es Dir beim Üben selbst immer wieder laut. Wenn Du an eine Störung denkst und sie aussprichst, dann fragen die Prüfer gerne hier weiter nach. Eine Struktur im Kopf zu haben und mit dieser das öfters im Rollenspiel mit Lernpartnern zu üben, hilft Dir, damit Du sicher im Umgang mit den wichtigen Fragen bist und nichts vergisst.
Verdachtsdiagnose Depression:
Depression
Depressionen gehören zu den affektiven Störungen, die sich durch folgende Haupt - und Nebensymptome ausdrücken können:
organische Störungen (F0), insbesondere z.B. organische affektive Störung (z.B. durch Schilddrüsenunterfunktion etc.) und Demenz (leicht zu verwechseln mit Altersdepression)
Suchterkrankungen (F1), z.B. bei häufigem Cannabiskonsum - “Amotivationales Syndrom”, Intoxikation bzw. Entzug, Benzodiazepine
Schizophrenie (F2), z.B. bei Prodromalphase, Katatone Schizophrenie und Postschizophrene Depression (bei schwerer Depression sind auch Stupor und Psychosen möglich), Schizophrenes Residuum
Schizoaffektive Störung (F2), da hier auch depressive mit psychotischen Symptomen zusammentreffen
Bipolare affektive Störung (F3), depressive Episoden wechseln sich mit manischen Episoden ab
Dysthymia / Zyklothymia (F3), da schwächere Symptomatik, aber ähnlich zu Depressionen bzw. bipolare affektive Störung
Angststörungen (F4), da häufig komorbid depressive Symptome vorhanden
Zwangsstörungen (F4), da häufig komorbid depressive Symptome vorhanden
Somatoforme Störungen (F4), da häufig komorbid depressive Symptome vorhanden
Anpassungsstörung (F4), jedoch leichtere Symptomatik und spezifischer Auslöser, sowie Latenz innerhalb von 1 Monat (Dauer: meist einige Monate, bei depressiver Reaktion max. 2 Jahre)
PTBS (F4), da häufig komorbid depressive Symptome vorhanden
Akute Belastungsreaktion (F4), jedoch klingen Symptome meist innerhalb weniger Tage wieder ab
Essstörungen (F5), da häufig komorbid depressive Symptome vorhanden
Persönlichkeitsstörungen (F6), da häufig komorbid depressive Symptome vorhanden (v.a. ängstlich vermeidende, abhängige und Borderline PS)
Autismus (F8), da häufig komorbid depressive Symptome vorhanden
Bei Kindern - emotionale Störungen des Kindesalters (F9)
Allgemeiner Hinweis: So ziemlich jede psychische Erkrankung geht mit einem gewissen Leidensdruck der Betroffenen einher, was depressive Symptome begünstigt
Also es ging noch mal um die Suizidalität, die ja durch das Zitat der Frau sehr offenkundig war.
Anmerkung
Eine akute Suizidalität wäre als psychiatrischer Notfall zu behandeln und sollte unbedingt erkannt werden. Dies gelingt durch konkretes nachfragen (z.B. anhand Fragenkatalog von Pöldinger)
Ich gab ein Paar Beispielsätze - Die Namen Pöldinger und Ringel habe ich noch so flankierend in den Raum geworfen, das hatte ihnen schon gereicht.
Ich regte eine freiwillige Unterbringung im BKH an und habe noch mal die Vorteile für den Mann und die Frau dargelegt. Entlastung für den Mann, Hilfe für die Frau und so weiter, auch dass sie bei mir aktuell nicht gut aufgehoben sei.
Anmerkung
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"Angenommen, die Klientin kommt aus der Klinik und ist genesen und möchte bei Ihnen jetzt, weil Sie so empathisch waren, eine Therapie machen."
Was können Sie mit Ihrer Methode anbieten?
Prüfling
Da würde ich eigentlich erst mal gerne wissen, was an Therapie in der Klinik gemacht worden ist, ob die Glaubenssätze oder Denkmuster, die ja bei einer Depression typisch sind, bearbeitet wurden, bevor ich da mit ihr Bilder male (als Kunsttherapeutin).
Ich bin noch auf typische Denkmuster, schwarz-weiß, Katastrophisieren, Tunnelblick und Ähnliches eingegangen.
Anmerkung
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ob ich auch Supervision und Selbsterfahrung auf dem Schirm habe?
Prüfling
konnte ich bejahen. 3 Jahre Körpertherapie, sie fragte näher nach, war noch ganz freundlich, aber mehr so, damit sie noch etwas gefragt hat. Ich habe mich nochmal für den Impuls bedankt.
Dann gab es keine weiteren Fragen, und der Prüfer hat mir zu der "hervorragenden Prüfung" gratuliert.
Anmerkung
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